Illustratorin werden leicht gemacht! Das sind deine ersten Schritte

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Überlegst du öfter, den Schritt zu wagen, und dich als Illustratorin, Designerin oder als anderweitig als Kreative selbstständig zu machen? Vielleicht studierst du noch oder hast dein Studium gerade abgeschlossen und bist unsicher, wie du in dein Berufsleben starten sollst. Vielleicht bist du auch unheimlich gut in deiner Kunst und hast schon öfter gehört, warum du denn damit nicht dein Geld verdienen möchtest.

Hast du den Entschluss gefaßt, es zu wagen, dich nun endlich mit deiner Kunst, deinen Illustationen oder Grafiken selbstständig zu machen, möchte ich dich erstmal beglückwünschen! Dennoch hast du doch für eine Tätigkeit entschieden, die ganz "du" ist. Die du lenkst,leitest,formst und dessen Einnahmen, ganz aus eigener Kraft kommen. Das ist ein sehr solides Gefühl. Eine kreative freiberufliche Tätigkeit hat aber auch so einige kleine Hürden und die will ich dir gern zeigen.

Ganz am Anfang steht der Papierkram

Meine ersten Illus im Kundenauftrag habe ich schon während meiner Festanstellung als Designerin gezeichnet. Ich hatte einen zweimonatlichen Auftrag für die Jugendzeitschrift "Mädchen". Schon damals habe ich beim Finanzamt eine nebenberufliche selbstständige Tätigkeit angemeldet. Auch wenn du noch ganz klein bist und nur ganz wenige Illustrationen oder Bilder verkaufst. Bitte denke von vornherein an die Formalitäten. Denn meine Erfahrung hat gezeigt, daß du, je ernster und pingeliger du den Papierkram rund um dein Business nimmst, umso erfolgreicher wirst du sein. Umso besser wird deine kreative Arbeit aussehen.

Deine ersten Schritte in die Selbstständigkeit

Weg hier?Bevor du dich tief in deine Internetpräsenz, ans Basteln deiner Visitenkarte oder deines Logos reinkniest, mach dich mit den Formalitäten der Selbstständigkeit vertraut. Ich muß dir sagen, daß ich das immer etwas locker genommen habe. Mir war eben das Zeichnen wichtiger. Hallo? Ich bin doch kreativ, das ist doch das einzige was zählt!

Ist es ganz und gar nicht. Was dann nämlich passiert, ist, daß du mal eben unliebsame Post vom Finanzamt öderer Krankenkasse bekommst und ein schöner kaffeeschlürfender Kreativtag dahin ist. Genauso war das bei mir.

Aufgelistet findest du nun, wo genau du dich ganz am Anfang anmelden mußt und was du beachten mußt. Ich verrate dir noch was aus dem Nähkästchen. Es ist ganz leicht.

1. Meldung beim Finanzamt

Sobald dir jemand wohlverdientes Geld für deine Kunst bezahlt und sich abzeichnet, daß das (juhu!) nun öfter gesehen wird, musst du dich formlos beim Finanzamt melden. Regulär solltest du das spätestens nach 4 Wochen tun. Das ist wirklich easy!

Du suchst dir per Google das Finanzamt raus, das für deinen Bezirk zuständig ist. Da rufst du einfach in der Zentrale an und sagst, daß du deine freiberufliche Tätigkeit anmelden möchtest. Als Künstlerin, Designerin, Grafikerin oder Illustratorin bist du in der Regel freiberuflich. Hier sind die Grenzen manchmal fliessend. Ein grundsätzliches Merkmal der Freiberuflichkeit ist, daß deine ganz persönliche schöpferische Leistung im Vordergrund steht und untrennbar mit deiner Person verbunden ist.

Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Auf dein Telefonat hin, schickt dir dein Finanzamt den sogenannten "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung". Ihn auszufüllen ist wirklich nicht schwer und geht sehr schnell.

Als freiberufliche Künstlerin trägst du ein, ob du ein Gewerbe hast oder nicht. Für gewöhnlich meldest du keins an. Jedoch ist das manchmal nicht ganz eindeutig! Wenn du zum Beispiel schöne Kinderkleidung nähst und verkaufst, musst du wahrscheinlich ein Gewerbe anmelden. Wenn du dich näher informieren möchtest, schau mal dir mal diesen Beitrag von Etsy zur Unterscheidung an.

Bei der Schätzung der Einnahmen trage einen realistischen Betrag ein, da das Finanzamt eventuell eine Steuervorauszahlung von dir möchte. Trägst du deutlich zu wenig ein, hat das später vielleicht ein höhere Nachzahlung als Folge. Natürlich kannst du gerade am Anfang nicht wissen, wie hoch deine Einnahmen sein werden.

Bei der Gewinnermittlung solltest du die Einnahmenüberschußrechnung auswählen. Als Freiberufler, und das bist du, wenn du kein Gewerbe angemeldet hat, bist du nicht zur Buchführung verpflichtet. Heißt also, du darfst diese einfache Art der Gewinnermittlung anwenden. Das ist sehr wichtig und vor allem nicht schwer. Go for it! Nur wenn du mehr als 50,000 Euro Jahresüberschuss oder 500,000 Euro Umsatzerlös hast, dann ist die EÜR keine Option mehr. Dann müßtest du eine Bilanzierung erstellen. Daran solltest du dich nur trauen wenn du von Berufswegen fit darin bist. Wenn du zur Bilanzierung verpflichtet bist, musst du dir entsprechende Hilfe suchen. Und zwar bei einem netten Steuerberater/Buchhalter deiner Wahl.

Sehr wichtig ist die Kleinunternehmerregelung. Diese habe ich bei der ersten Anmeldung auch gewählt. Du kannst sie in Anspruch nehmen, wenn dein zu erwartender Jahresumsatz unter 17,500 Euro und der im nächsten Jahr unter 50.000 Euro bleiben wird. Der Vorteil ist, daß du eine ganz simple Buchführung machen kannst. Du verlangst von deinen Kunden keine Umsatzsteuer, schlägst also nichts auf dein Honorar auf. Du kannst dann aber auch nichts absetzen (gegenrechnen), wenn du dir etwas kaufst, was zu den Geschäftskosten zählt. Wie zum Beispiel Zeichenmaterial oder einen neuen Computer.

Mein Rat dazu ist, wenn du wirklich klein bleiben möchtest und nur gelegentlich Verkäufe hast, bleib bei der Kleinunternehmerregelung. Sie erleichtert deine Buchhaltung, es ist fast nichts zu tun. Du musst nur deine Einnahmen und Ausgaben als Belege aufbewahren und zusammenaddieren. Also wenn du den minimalsten Rechenaufwand haben möchtest, ist sie eine gute Option. Ich fand es sehr angenehm, einfach nur eine Rechnung mit 0% Mehrwertsteuer für meine Kunden zu schreibe und das wars!

Nach 2 Jahren habe ich mich aber dafür entschieden, auf Umsatzsteuerpflicht umzustellen. Der Grund dafür ist, daß es zum einen nicht sehr viel schwerer ist, die Mehrwertsteuer zu berechnen. Ich habe mir einmal ein kleines System geschaffen und schon flutschte es.

Der Hauptgrund aber, und das solltest du dir für dich ganz allein mal durchdenken, ist das Aushängeschild, das du zeigst. In jeder Rechnung steht "Kleinunternehmer" und zeigt an, daß du nunmal nur in einem bestimmtem finanzielle Rahmen verdienst. Wenn du Umsatzsteuer erhebst, kannst du genau so viel oder wenig verdienen, es bleibt aber unsichtbar und macht aber den Anschein, daß du Größeres vorhast. Und daß du im Rechnen fit bist und deine Finanzen unter Kontrolle hast. Für mich ganz persönlich macht es einen professionellen Eindruck.

Entscheidest du dich nicht für die Kleinunternehmerregelung geht es noch um die Soll-und Istversteuerung. Du solltest die Istversteuerung wählen. Denn wenn es an die Zahlung der Umsatzsteuer an das Finanzamt geht, zählt immer nur was du ganz aktuell an Einnahmen und Ausgaben hast. Hast du deinem Kunden eine Rechnung über 3000 Euro gestellt und er zahlt erst nach einem halben Jahr, so ist auch erst dann die Umsatzsteuer aus diese Rechnung als Zahlung ans Finanzamt fällig. Ansonsten müsstest du schonmal einige hundert Euro zahlen, ohne daß sie überhaupt auf deinem Konto liegen. Ne gute Sache!

Bei der sogenannten und manchmal verwechselten Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ist es so, daß du dir diese auf jeden Fall zuweisen lassen solltest. Du brauchst sie für Auslandsgeschäfte. Und es kann mal ganz schnell gehen, daß jemand aus Österreich,Belgien oder Frankreich bei dir in Auftrag geht, oder?

Lies in diesem unglaublich guten Blogartikel wie genau du den Fragebogen ausfüllst.

Das Finanzamt teilt dir nun deine Steuernummer zu

Um für deine Kunden überhaupt eine Rechnung schreiben zu können, brauchst du eine Steuernummer. Und genau diese schickt dir das Finanzamt, nachdem du den Fragebogen ausgefüllt und zurückgeschickt hast. Letztendlich entscheidet das Finanzamt darüber, ob du einen freiberuflichen Status hast oder nicht.

2. Meldung bei der KSK

Als freiberufliche Künstlerin oder Publizistin hast du die Pflicht dich über die Künstlersozialkasse zu versichern. Aber das ist ja gar nicht weiter schlimm, denn als Künstlerin ist es der optimale Weg, in die KSK zu gehen.

Wie der Name Künstlersozialkasse schon aussagt, ist sie für Künstler gedacht. Du musst dort also deinen künstlerischen Status beweisen. Bei mir ging das sehr problemlos. Ich habe Screenshots von meiner Portfolioseite, Illustrationen,Visitenkarte, meinen Flyer in ein Päckchen geschnürt. Hilfreich ist auch, wenn du Mitglied in einem Berufsverband bist. Bei den Illustratoren ist das die Illustratorenorganisation. Nach sehr kurzer Zeit hatte ich bereits die Zusage.

Das schöne an der KSK ist, daß du ganz ähnlich wie ein Arbeitnehmer Renten-, Kranken- und Pflegversicherung erhältst. Die KSK wirkt also wie eine Art Arbeitgeber. Deine bestehende Krankenversicherung behältst du bei. Und zahlst deine monatlichen Beiträge an die KSK. Die richten sich nach dem Einkommen, daß du vorab schätzen musst.

Bedenke, daß du jährlich mindestens 3900 € verdienen musst. Über längere Zeit darfst du nicht darunter liegen. Sonst kannst du gekündigt werden.

3. Versicherungen

Bei den Versicherungen, die teils kein MUSS sind, mußt du selbst abschätzen, welche du brauchst. Schau mal, ich habe dir aufgelistet welche du bedenken mußt.

  • Krankenversicherung, privat oder gesetzlich
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Private Haftpflichtversicherung
  • Private Altersvorsorge/Rürüp für Freiberufler und Selbstständige
  • Unfallversicherung
  • Lebensversicherung/Hausratversicherung
  • Rechtsschutzversicherung

Was hält dich nun noch auf?

Weg hier?-2Du wirst sehen, nachdem der Papierkram erledigt ist und du alles superschick in deinem Hefter abgeheftet hast, fühlst du dich auf einem sicheren soliden Weg und kannst dich voll auf deine Kreativität konzentrieren. Du wirst mit der Bürokratie leben müssen. Ich kann dir versichern, daß ich  mittlerweile richtig gern auf meine erledigten Papiere schaue, denn das gibt mir das Gefühl, ein echtes Business zu haben und nicht nur ein Hobby. Auch wenn ich niedliche Tiere zeichne.

Es wird auf deinem Weg in die Selbstständigkeit noch mehr zu bedenken, erstellen und erledigen geben. Hast du deine Steuernummer vom Finanzamt bekommen, so bist du nun in der Lage, eine Rechnung für deinen Kunden zu erstellen. Lies doch in meinen Blogartikel "Wie du mit der Kleinunternehmerregelung deine Rechnung professionell schreibst".

 

 

Bist du gerade schon auf deinem Weg in die kreative Selbstständigkeit?

Hast du diese Phase schon hinter dir und kannst durchstarten?

Mit welchen bürokratischen Hürden kämpfst du und wie kann ich dir weiterhelfen?

 

Disclaimer:  Alle Inhalte schreibe ich nach allerbestem Wissen und Gewissen für dich. Für die Richtigkeit und Aktualität übernehme ich keine Haftung. Steuerliche Themen haben keine Steuerberatung meinerseits zum Inhalt, denn ich gebe meine Informationen aus persönlicher Erfahrung an dich weiter.