Warum ich Illustratorin geworden bin

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Als Beruf einfach nur zeichnen?

Wann habe ich eigentlich zum ersten Mal gehört, daß es den Beruf "Illustrator" gibt? Vielleicht schon als Kind. Schliesslich haben ja "Zeichner" meine Kinderbücher mit Bildern versehen. Du siehst, viele Gedanken habe ich mir nicht darum gemacht. Zumal ich niemanden kannte, der sein Geld mit Malen oder Zeichnen verdient hat. Ich muss sagen, als Kind und auch als Jugendliche hatte ich nie einen Berufswunsch. So gar keinen. Das Zeichnen hat sich bei mir ganz natürlich entwickelt.

Mein Opa hat sich als Hobby mit Grafik und Illustration beschäftigt und hat sehr beeindruckende Bilder geschaffen. Wenn ich dort war durfte ich natürlich auch malen und habe Buntstifte von ihm benutzt, die wunderbar nach Holz rochen und mir sehr wertvoll erschienen. Nur-wie ging es weiter?

Meerjungfrauen und Kreuze

Am Zeichnen hat ich schlichtweg Spaß. Ich hab mir nicht groß überlegt, was ich male. Wie ich es zeichne. Nur habe ich schon immer gern Menschen und Figuren gezeichnet. Im Ferienlager in den 80er Jahren war es in, sich mit Kugelschreiber "Tätowierungen" auf den Arm zu malen. Ich habe viele Kinder  mit Meerjungfrauen und Kreuzen in perspektivischer Ansicht versorgt. Der Schlag traf mich allerdings, als ich ein Mädchen traf, daß "Modeillus" zeichnete. Also Barbies, aber das wußte ich nicht so genau.

Ich habe Mode schon als Kind geliebt und so verband und festigte sich da etwas in meinem Inneren, was bis heute nicht rauszukriegen ist. Ich entdeckte meine Liebe für die Modeillustration und wußte noch gar nicht, daß es sowas überhaupt gab.

Berufswunsch Modedesignerin

Noch im letzten Abijahr habe ich mir nie überlegt, was ich denn eigentlich werden will. Oder studieren möchte. Ich hatte einfach keine Idee, aber die innere Zuversicht, daß sich das richtige schon finden wird, wenn die Zeit gekommen ist. Und genau so war es auch. Der Berufsberater fragte mich, was denn so mein liebstes Hobby sei. Ich antwortete frei von der Leber weg, daß ich gerne Modefigurinen zeichne. Er lachte mich nicht aus, nein, er hat mich gefragt, ob ich denn der Meinung bin, daß ich gut darin sei? Ich hab das einfach nur bejaht. Das schöne Ende vom Lied war, daß ich mich an der Modeschule LetteVerein in Berlin beworben habe und genommen wurde.

Und was ist nun mit der Illustration?

Es begann eindeutig mit Jason Brooks, den ich Mitte der 90er als Zeichner in der ELLE entdeckt habe. Wow, ich war geflasht! So moderne, coole Illustrationen hatte ich noch nie gesehen. Selbstverständlich wurde ich gleich Fan und sammelte alle Illus, die ich ausschnippeln konnte.Ähm ja, Internet war noch nicht so wirklich da.  Jason Brooks ist ein Lifestyle- und Modeillustrator Illustrator aus England.

Digitale Illustration aus Geldmangel

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Am LetteVerein habe ich das Modezeichnen noch sehr offline gelernt. Mit Papier, Stiften, Transparentpapier und als Farbe Copicmarker. Das sind wunderschöne Filzstifte, die sich vielseitig zum Colorieren einsetzen lassen. Wenn man sie hat.

Für einen Auftrag einer Werbeagentur sollte ich ein paar Figurinen zeichnen. Die Ausbildung war nun schon eins, zwei Jahre her und meine Copicmarker nicht mehr die frischesten. Mittlerweile befand ich mich in einer Zusatzausbilung zur "IT-Managerin" an der mediadesign Akademie in Berlin und war bereits fit in Adobe Illustrator. Es war Ende der 90er und ich kam aus purem Geldmangel auf die Idee, meine Illustration einfach digital zu zeichnen und zu färben. Hallo, Millionen Farben umsonst! Was für eine Auswahl... Meine Liebe zur digitalen Illustration war geboren.

Ein Jahr in Italien

So sehr ich das Zeichnen auch liebe, genauso sehr liebe ich die Computerprogramme dazu. Ich war nun Modedesignerin. Vielmehr zog es mich aber in die Welt der Pixel und Vektoren! Zur Jahrtausendwende hatte das Glück ein Jahr in Bella Italia zu verbringen. Und zwar im Rahmen eines Berliner Förderprogrammes. Es ging darum, in seinem Beruf ein Praktikum zu machen, die Sprache zu erlernen und dann mit besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt, nach Deutschland zurückzukehren. Für mich war klar, ich will an den Computer. In einer tollen kleinen Werbeagentur konnte ich ausgiebig Flash, Photoshop und Illustrator lernen. Illustriert habe ich in Form von animierten Filmchen. Ich war im siebten Himmel.

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 Ab zu Adidas

Ich hatte nun die Kombi Modedesign-Grafikprogramme in der Tasche. Da kam Herzogenaurach wie gerufen. Das ist nämlich der Ort in dem Adidas seine Hauptzentrale hat. Ich bewarb mich auf einen Job, der sich "Colour Illustrator" nennt. Und wurde genommen. Denn auch wenn es sich damals um den Bereich Schuhe drehte, ist das Programm Adobe Illustrator Tool Nummer 1.

Start in die Auftragsillustration

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Trotz des Traumjobs als Designerin bei Adidas, habe ich immer nebenher illustriert. Meine eigenen Sachen. Ich habe echt viel ausprobiert an Techniken, Themen, Figuren. Und das ist auch wichtig für dich. Zeichne, was die Spaß macht, was Blödsinn ist, was aus dem Herzen kommt. Es muss nicht immer irgendwo dazu passen. Aber es bringt dich auf den Weg dahin, wo du möchtest. Ich fand auf diese Weise langsam und ganz stetig heraus, welche Themen ich am liebsten zeichne. Alles für Kinder, Jungendliche und Frauen. Viel pink. Viel süß. Viel girly.

Um 2005 schrieb ich mehrere Zeitschriften an und es klappte. Ich ergatterte meinen ersten, sogar regelmäßigen Job bei der Zeitschrift "Mädchen". Diese Illus, die alle 2 Wochen zur Peinlichkeitskolumne erschienen, habe ich neben meinem Vollzeitjob gemacht. Und da keimte in mir auch der erste Gedanke an die Selbstständigkeit. Wie wäre es wenn ich das ausschliesslich als täglichen Job machen würde?

 

Vereinbarkeit Familie und Beruf

Das Leben ändert sich zuweilen und genauso soll es sein. Wär es nicht furchtbar, wenn alles immer gleich bleiben würde? 2006 bekam ich Jakob, unseren ersten Sohn. In meinem Job, in den ich nach einem Jahr Pause wieder zurückkehrte, wurde es nicht einfacher. Ich wechselte vom Schuhdesign ins Modedesign, wie ich meinte, mein Traum. Ich arbeitete tatsächlich in einem echten Prestigejob, als Designerin für Fußballtrikots von Adidas. Das was ich, natürlich im Rahmen von Teamarbeit, entworfen habe, sah ich 1-2 Jahre später auf dem Fernsehbildschirm. Ausgefüllt hat es mich nicht. Ich träumte vom Illustrieren, vom Häkeln,vom Kochen und auch brennend immer mehr von der Selbstständigkeit.

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Illustratorin aus Leidenschaft

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2009, unser zweiter Sohn Levi war nun auch auf der Welt, bekam ich einen Anruf von Therese aus Fürth, die gern einen Stammtisch für Illustratoren aus der Region ins Leben rufen wollte. Das hat sie auch erfolgreich getan und nun treffen wir Illustratoren uns seit über  7 Jahren mehr oder weniger regelmäßig um zu quatschen, sich auszutauschen und einfach Spass zu haben.

Als ich das erste Mal zum Stammtisch ging, hatte ich vor allem das intensive Gefühl, hier absolut ich selbst zu sein. Aufgehoben zu sein, unter Menschen, die die gleiche Leidenschaft mit mir teilen: das Illustrieren.

 

Sprung in die illustrative Selbstständigkeit

Auf den Tag genau nach 10 Jahren legte ich meinen festen Designerjob zu den Akten und wagte die Selbstständigkeit. Oh je, wieviel bin ich falsch angegangen. Ich war viel war zu träumerisch! Denn ein Business hatte ich anfangs ganz bestimmt nicht. Dennoch habe ich den Entschluss nie bereut und empfehle jedem der mich fragt unumwunden, sich auch selbstständig zu machen. Auf www.astridrabus.de findest du meine Arbeiten.

Mein ganz persönliches "Warum"

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Zu guter Letzt möchte ich dir nochmal berichten , warum ich die Selbstständigkeit kombiniert mit dem Illustrieren so ultimativ gern ausübe.

Ich bin enorm freiheitsliebend. Ja, ich habe genau wie in der Festanstellung den Druck, Geld zu verdienen und mich selbst zu verwirklichen. Nun ist es aber mein eigener. Ich habe die Gestaltungsfreiheit für meine Tagesabläufe und Projekte. Ich kann mich treffen mit wem und wann ich will. Einfach so. Meinen Urlaub selbst planen. Ich bin für meine Kinder und meinen Mann da, unumwunden.

Ich bin in der Lage ortsunabhängig zu arbeiten, der Gedanke gefällt mir sehr. Sicherlich, das Zeichenequipment muss schon dabei sein. Aber da ich eh der digitalen Illustration verfallen bin, finden sich auf meinem Schreibtisch eher wenige Pinsel und Zeichenblätter.

Ich bin Lernjunkie. Ich liebe es, ständig neues, dazuzulernen. das können Programme und Zeichentechniken sein. Designtrends. Ich lerne unheimlich gern übers Business an sich. Ich arbeite gern an mir selbst und freue mich über neue Erkenntnisse, die ich mache.

Ich gebe gern ab. Ich halte nichts davon, Wissen bei sich zu bunkern. Raus damit, andere inspirieren!

Ich kann mit dem, was ich am liebsten tue, Geld verdienen. Zeichnen, designen, gestalten. Und somit wieder andere Menschen glücklich machen.

 

Wie sieht's bei dir aus? Hast du auch so einen Umweg gemacht, um zu deiner Passion zu finden? Oder denkst du auch daran, dich vielleicht selbstständig zu machen? Was hält dich ab?